Kann die Pressotherapie den Stoffwechsel beschleunigen?

Die Pressotherapie, auch bekannt als apparative Lymphdrainage, wird meist mit der Reduktion von Schwellungen und der Bekämpfung von Cellulite in Verbindung gebracht. Immer häufiger stellt sich jedoch die Frage, ob diese nicht-invasive Methode auch den Stoffwechsel anregen kann. Um das zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die physiologischen Mechanismen und die Ergebnisse von Studien aus dem letzten Jahrzehnt.

Wie wirkt die Pressotherapie auf Gewebeebene?

Während der Behandlung füllen sich die Kammern der Manschette in sequenziellen Zyklen mit Luft. Der entstehende Druckgradient verschiebt die interstitielle Flüssigkeit in Richtung der Lymph- und Venengefäße, wodurch die periphere Durchblutung verbessert wird. Ein besserer Blutfluss bedeutet eine effizientere Versorgung von Muskeln und Organen, die am Energiestoffwechsel beteiligt sind, mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Beschleunigung der Mikrozirkulation und Energieverbrauch

Die erhöhte Gewebeperfusion beeinflusst direkt die Geschwindigkeit biochemischer Prozesse. Studien zeigen, dass nach einer 30-minütigen Pressotherapie-Sitzung der Ruheumsatz (RMR) vorübergehend um etwa 5–7 % ansteigen kann. Dies ist auf einen erhöhten Sauerstoffverbrauch der Muskeln sowie die Aktivierung von Ionenpumpen zurückzuführen, die für den Flüssigkeitshaushalt verantwortlich sind. Wichtig ist jedoch, dass dieser Effekt etwa zwei Stunden nach der Behandlung anhält und anschließend wieder auf das Ausgangsniveau zurückkehrt.

Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts

Die Lymphdrainage reduziert Stauungen im Gewebe und erleichtert die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten wie Laktat oder bei der Lipolyse entstehenden Lipiden. Die Entfernung von überschüssigem Wasser und Toxinen entlastet Leber und Nieren und unterstützt die allgemeine metabolische Homöostase. In der Praxis berichten Patienten häufig über ein Gefühl der „Leichtigkeit“ und gesteigerte Energie im Alltag.

Einfluss auf das Hormonsystem

Einige Studien deuten darauf hin, dass die Pressotherapie auch hormonelle Prozesse beeinflussen kann. Beobachtet wurde eine leichte, aber statistisch signifikante Senkung des Cortisolspiegels sowie ein Anstieg von Adiponektin, das die Glukoseaufnahme in die Muskulatur verbessert. Obwohl diese Veränderungen nicht mit intensiver körperlicher Aktivität vergleichbar sind, kann ein kumulativer Effekt bei einer Serie von Behandlungen die Gewichtsreduktion unterstützen.

Kann die Behandlung körperliche Aktivität ersetzen?

Trotz der genannten Vorteile verbrennt die Pressotherapie nicht annähernd so viele Kalorien wie aerobes Training. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Behandlung mit regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kombiniert wird. In diesem Fall kann eine verbesserte Lymphdrainage helfen, Wassereinlagerungen nach dem Training zu reduzieren und das Gefühl schwerer Beine zu lindern, was wiederum die Motivation zur Bewegung erhöht.

Für wen ist sie besonders geeignet?

Menschen mit sitzender Lebensweise, Durchblutungsstörungen oder in frühen Phasen der Rehabilitation sind oft nicht in der Lage, ihren Energieverbrauch sofort durch Sport zu steigern. Für sie kann die Pressotherapie eine unterstützende Maßnahme sein, die das Kreislaufsystem auf höhere Belastungen vorbereitet. Bei Sportlern hingegen kann sie die Regeneration zwischen Trainingseinheiten beschleunigen und die Zeit bis zur vollständigen Erholung verkürzen.

Obwohl die Pressotherapie kein „Kalorienverbrenner“ ist, verbessert sie die Mikrozirkulation, unterstützt hormonelle Prozesse und erleichtert die Entfernung von Stoffwechselprodukten. Dadurch kann sie den Stoffwechsel indirekt fördern – insbesondere als Teil eines umfassenden Gesundheitskonzepts, das Bewegung und ausgewogene Ernährung einschließt.

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